Schaumspritzgießen von Thermoplasten

Als Spritzgießsonderverfahren ist das Thermoplast-Schaumspritzgießen (TSG) bereits seit Jahrzehnten bekannt und wird heute zunehmend für die Herstellung anspruchsvoller technischer Formteile eingesetzt. Die vor wenigen Jahren eingeführten modernen Verfahrensvarianten, wie die physikalische Direktbegasung der Schmelze während des Plastifiziervorgangs, führte zu einer Renaissance des Schaumspritzgießens.

Hier erfahren Sie mehr über die technischen Daten.

Schaumspritzgießen überzeugt durch zahlreiche Vorteile

Die Gasbeladung der Kunststoffschmelze mit chemischen oder physikalischen Treibmitteln führt generell zur Ausbildung einer Integralschaumstrukur im Formteilinneren, wodurch sich gegenüber dem konventionellem Standard-Spritzgießen Vorzüge ergeben. Als verfahrensspezifischer Vorteil führt der Verzicht der klassischen Nachdruckphase zu geringen Werkzeuginnendrücken, wodurch sich ein geringer Schließkraftbedarf ergibt. Geometrieabhängig kann am Formteil durch die Zellstruktur bis zu 15 % Gewicht eingespart werden, weshalb neben dem Leichtbaupotenzial durch SSG auch ein lukrativer Kostenvorteil durch Materialeinsparung realisiert wird. Weiterer Vorteil: Der Verzicht auf Nachdruck bewirkt eine deutliche Reduzierung der Zykluszeiten.

Da das in der Kavität des Werkzeugs expandierende Gas wie ein innerer Nachdruck auf die Schmelze wirkt, werden Einfallstellen verringert und eine fließwegunabhängige, gleichmäßigere Werkstoffschwindung erzielt. Dadurch wird der Verzug geschäumter Formteile vermindert. Für die Herstellung maßhaltiger Formteile werden beim Thermoplast-Schaumspritzgießen die für die Werkzeuganpassung notwendigen Iterationsschritte reduziert, somit der Entwicklungsprozess beschleunigt und schließlich vergünstigt.

Oberflächenqualität und mechanische Eigenschaften im Fokus

In der industriellen Praxis müssen die oben genannten Vorteile des Schaumspritzgießens für einzelne Formteile individuell betrachtet und umgesetzt werden. Der Oberflächenqualität und den mechanischen Eigenschaften der Formteile muss dabei besondere Beachtung geschenkt werden, da die poröse Struktur im Inneren und eventuelle Schlierenbildung an der Oberfläche die Formteileigenschaften negativ beeinflussen können.

Zur Verbesserung der Formteiloberflächenqualität werden aktuell verfahrenstechnische und werkstofftechnische Entwicklungen durchgeführt. Sowohl die Gasgegendrucktechnologie als auch eine variotherme Werkzeugtemperierung haben sich hierfür als geeignet erwiesen. Auch auf der Werkstoffseite werden durch eine angepasste Gasbeladung und durch die Verwendung von speziell oberflächenoptimierten Kunststofftypen attraktive Sichtbauteile aus technischen Thermoplasten realisiert.

Die erzielbare Materialeinsparung ist bei komplexen Formteilen begrenzt. Durch die Verwendung von atmenden Werkzeugen bei flächigen Bauteilen kann jedoch die Dichtereduktion deutlich erhöht werden, wodurch Formteile mit Aufschäumgraden von bis zu 50 % und mehr möglich sind. Hochaufgeschäumte Integralschaumstrukturen zeigen eine sehr hohe spezifische Biegesteifigkeit, wodurch derartige Formteile ein hohes Potenzial als Leichtbaukomponenten aufweisen.

Zentrales Forschungsziel: Optimierung der Prozesse

Die Neue Materialien Bayreuth GmbH (NMB) tritt als Forschungs- und Entwicklungsdienstleister auf, um potentiellen Anwendern den Einstieg in diese hochattraktive Technologie zu erleichtern. Die enge Zusammenarbeit unseres gut ausgebildeten technischen und wissenschaftlichen Personals mit Projektpartnern erlaubt eine schnelle, effiziente und anwendungsorientierte Produktentwicklung.

Im Technikum der NMB stehen MuCell-Spritzgießmaschinen mit Spritzgewichten von 40 - 1000 g und Schließkräften bis 2.500 kN zur Verfügung. Die vorhandenen Schaumspritzgießmaschinen ermöglichen neben umfangreichen Materialscreenings mit Musterwerkzeugen auch die Kleinserienfertigung an Kundenwerkzeugen.

Im Rahmen von Verbundprojekten mit Industriepartnern werden bei NMB gemeinschaftlich Entwicklungen betrieben mit dem Ziel, den Prozess des Schaumspritzgiessens zu optimieren. Eine Projektaufstellung erfolgt im Idealfall entlang der Prozesskette vom Rohstoffhersteller, über die Maschinen- und Werkzeugbauer bis hin zum Automobilzulieferer.


Spritzgießmaschine Battenfeld BA 1500/ 630 + 400 BK MuCell


Schaumstrukturen von PP Integralschäumen


REM-Aufnahme einer Bruchfläche; geschlossene Deckschicht und mikrozellulärer Schaumkern 


Oberflächenverbesserung durch Variotherm


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