Blechverarbeitung als neues Arbeitsfeld
Dritte Halle für die Neue Materialien Fürth GmbH

Direkt am Ufersteg der renaturierten Pegnitz ist in nur fünf Monaten die neue Blechschmiede des Technikums entstanden. Nach ihrem Ausbau werden hier ab Oktober rund 20 Werkstoffwissenschaftler an innovativen Karosserien tüfteln. Foto: Hans-Joachim Winckler
VON VOLKER DITTMAR
FÜRTH - Mit „Technohalle 3" ist ein weiteres Etappenziel erreicht
Neubau für innovative Blechverarbeitung im Fürther Technikum - Pläne für eine vierte Halle und einen Werkstoffwissenschaftslehrstuhl
FÜRTH - Das Technikum in der Uferstadt wächst weiter. Die dritte Entwicklungshalle ist bis auf das Innenleben fertig. Im Oktober nimmt hier die Blechschmiede von Marion Merklein, Inhaberin des Lehrstuhls für Fertigungstechnologie der Uni Erlangen, ihre Arbeit auf.
Der Projektname „Technohalle 3" klingt mehr nach Disco als nach einer Forschungsstätte. Hochmodern soll es allerdings auch hier zugehen. Schwerpunkt wird die Entwicklung leichter und dennoch robuster Bleche für Fahrzeuge aller Art sein, ein wichtiger Beitrag auch zur Entwicklung von Elektroautos. Weil die Batterien noch sehr schwer sind, muss anderweitig Gewicht eingespart werden, um die Leistung zu erhöhen.
So lässt sich beispielsweise Alublech mit Stahl- oder Kunststoffgewebe versteifen. Neben einem Laufkran zum Transport schwerer Lasten gehören Blechwalze, Hydraulikpresse und Laserschneider zur Ausstattung. Was in den Labors der Uni nur im Kleinformat möglich ist, kann im Fürther Technikum in Originalgröße entwickelt werden. Deshalb ist die Arbeit auch so interessant für die Auftraggeber aus der Industrie.
Der strenge Winter hat die aufwendige Fundamentierung zwar verzögert, den Bau insgesamt aber nicht aufgehalten. Denn in der Frostperiode konnten Fassadenarbeiten vorgezogen werden, erläutert Uferstadt-Entwickler Stephan Graf. Er spekuliert bereits auf den Bau einer vierten Halle im nächsten Jahr, um dem Technikum die „kritische Masse" zum Selbsterhalt zu geben.
Thomas Dreykorn, im Stadtentwicklungsamt zuständig für den Technologietransfer, begrüßt den weiteren Ausbau schon wegen der Synergie-Effekte für das Technikum, schränkt jedoch ein: „Erst müssen einmal die bestehenden Einrichtungen voll ausgelastet und das geplante Partikelzentrum aufgebaut werden".
Außerdem sei daran gedacht, im Nachbargebäude einen neuen Lehrstuhl der Erlanger Werkstoffwissenschaftler einzurichten. Es wäre neben dem der Unileitung direkt unterstellten Zentralinstitut für neue Materialien und Prozesstechnik ein weiteres universitäres Standbein der jungen Wissenschaftsstadt.
Wie rasch das Technikum expandieren kann, ist laut Dreykorn vor allem eine Frage der Konjunktur. Unabhängig davon freut sich Blechspezialistin Merklein bereits mächtig auf ihr neues Fürther Betätigungsfeld. Etwa 20 Mitarbeiter werden ihr in der Technohalle 3 zur Seite stehen. Als Auftraggeber hat Merklein neben der Autoindustrie auch die Bahn- und
Flugzeugbranche im Blick. Mit 7,6 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II hat der Freistaat die Errich¬tung der dritten Halle ermöglicht. Am 11. Dezember vergangenen Jahres war der Bau in Angriff genommen worden.
Quelle: Fürther Nachrichten, 18. Mai 2010



