Inbetriebnahme der Technologiehalle 3

Fürth forscht weiter
Wissenschaftler weihen dritte Technologiehalle ein


Die neue Hydraulikpresse in Halle 3 hat ganze Arbeit geleistet: Professorin Marion Merklein (rechts) zeigt Staatssekretärin Katja Hessel eine Münze mit Fürth-Motiv. Foto: Hans-Doachim Winckler

VON JOHANNES ALLES

Autos und Flugzeuge sind gute Beispiele: Um kostbare Energie zu sparen, sollen sie leichter werden. Doch die Werkstoffe der Zukunft müssen erst noch erforscht werden, zum Beispiel in Fürth. Mit 200 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft hat die Neue Materialien Fürth gestern eine dritte Technologiehalle eingeweiht.

FÜRTH - Die neue Riesenpresse durfte gleich mal zeigen, was sie kann. Vor den Augen der geladenen Gäste stanzte das Ungetüm kleine Medaillen aus. Mit Kleeblatt und Fürth-Schriftzug. „Fürth ist jetzt auch Münzprägestadt", scherzte Professorin Marion Merklein gut gelaunt, wohlwissend, dass die Presse künftig ganz anderes leisten soll.
Merklein, Inhaberin des Lehrstuhls für Fertigungstechnologie an der Universität Erlangen-Nürnberg, ist die Hausherrin der neuen Halle 3. In dem 950 Quadratmeter großen Zweckbau will sie mit ihrem Team „innovative Blechwerkstoffe" entwickeln. Diese könnten sowohl in der Fertigung von Autos und Flugzeugen zum Einsatz kommen als auch im Anlagenbau, denn die Forscher arbeiten mit dem erklärten Ziel, ihre Ergebnisse der Industrie für die Massenproduktion zur Verfügung zu stellen. Kein Wunder also, dass sich unter den zahlreichen Gästen der Eröffnungsfeier viele Vertreter aus bayerischen Unternehmen fanden, die Professor Robert Singer, Geschäftsführer der Neue Materialien Fürth (NMF), freudig mit „unsere Kunden" begrüßte. Singer betonte, dass sich der neue Bereich „Blechleichtbau" nahtlos in die zwei bereits bestehenden Forschungsfelder der NMF - Metalle und Kunststoffe - einfügt. Die Werkstoffe der Zukunft sollen stabiler und doch leichter sein als bisher, denn mehr denn je gelte es, Energie zu sparen - im Übrigen auch bei der Herstellung, wie Singer betonte.
Nach Angaben der NMF hat sich die Fläche des Technikums in der Fürther Uferstadt mit der neuen Halle um ein Drittel vergrößert. Bezahlt wurde der rund drei Millionen Euro teure Bau sowohl vom Freistaat Bayern als auch aus Mitteln des Konjukturpa kets II der Bundesregierung.
„Industrienahe Forschung"
Noch teurer als die Halle waren die drei großen Maschinen, die den Wissenschaftlern um Marion Merklein nun zur Verfügung stehen. Da wäre die besagte Hydraulikpresse von der Firma Lasco, „in ihrer Art weltweit einzigartig", wie Merklein sagte. Außerdem noch eine Walze und ein Schneidlaser; und das alles im „Industriemaßstab, was die „Fertigung von Prototypen und Kleinserien" ermöglichen soll. Thomas A. H. Schöck, der Kanzler der Uni Erlangen, lobte denn auch in seinem Gruß wort die „industrienahe Forschung" der NMF. Und Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung erhofft sich, dass von der Halle „weitere Impulse für die Industrie der Metropolregion ausgehen werden".
Katja Hessel, Staatssekretärin im bayerischen Wirtschaftsministerium erinnerte daran, dass vor einigen Jahren auf dem Gelände der heutigen Uferstadt Grundig noch Fernseher produzierte, „die irgendwann keiner mehr haben wollte". Das Technikum Neue Materialien stehe für den Strukturwandel, der die Region erfasst hat. Doch dieser Strukturwandel sei eine Daueraufgabe, die Staat und Kommunen gemeinsam erfüllen müssten.
NMF-Geschäftsführer Robert Singer bedankte sich jedenfalls artig für die „herausragende Förderung" aus dem Wirtschaftsministerium, und Marion Merklein hatte für die Staatssekretärin aus München gleich ein kleines Geschenk parat. Sie überreichte Hessel eine der Fürth-Medaillen - gefertigt mit der neuen Presse.


Quelle: Fürther Nachrichten, 16. April 2011


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