Von Diamantbeschichtung, Leichtbau und Kohlenstoff
Fürth weiht das Zentralinstitut für Neue Materialien ein
VON MARKUS KAISER
FÜRTH - Den längsten Universitätsnamen Deutschlands, hat Rektor Prof. Karl-Dieter Grüske kürzlich sinniert, hat seine Hochschule bereits. Wenn es nach manchem Fürther ginge, dürfte der Name künftig noch länger werden: Friedrich-Alexander-Universität Er-langen-Nürnberg-Fürth. So wird die Hochschule aber nicht heißen: Andere kleine Standorte wie die Sternwarte in Bamberg oder das Segelzentrum am Brombachsee trägt die Uni schließlich auch nicht im Namen. „Es ist aber ein großer Tag für Fürth, dass auch wir Hochschulstandort sind", sagte Oberbürgermeister Thomas Jung (SPD) ges¬tern bei der offiziellen Einweihung des Zentralinstituts für Neue Materia¬lien und Prozesstechnik auf dem ehe¬maligen Grundig-Areal.
Mit der ersten Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth und der Gründung des Versandhauses Quelle verglich das Stadtoberhaupt den gestrigen Tag. „Forschung ist in unserer Stadt von überragender Bedeutung", meint Jung. Auf dem Gelände, auf dem einst 8000 Grundig-Mitarbeiter beschäftigt waren, gibt es inzwischen wieder 1500 Arbeitsplätze: vom Call-Center-Mitarbeiter bis zum Nachwuchsförscher. 20 Beschäftigte stellt das Zentralinstitut der Uni Erlangen, die jüngste For¬schungseinrichtung. „Wir gehen davon aus, dass hier einmal 50, 60 Mit-arbeiter am Standort sein werden", erklärt Prof. Robert Singer, Geschäfts¬führer des Instituts und Lehrstuhlin¬haber in Erlangen.
Das Zentralinstitut ist eine von drei Säulen im Fürther Technikum: „Die Pionierarbeit hat das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen geleistet", lobt Jung. Bereits im Jahr 1999 hat sich das Erlanger Institut in Fürth angesiedelt und betreibt ein Entwicklungszentrum für zerstörungsfreie Prüfung an Neuen Materialien in der Luft- und Raumfahrt. Als zweites wurde die Neue Materialien Fürth GmbH gegründet, an der die Uni Erlangen als Gesellschafter beteiligt ist. Hier werden Prototypen und Kleinserien gefertigt. „Durch die drei Säulen bieten wir von der Grundlagenforschung bis zum Produkt alles an", erklärt Singer. Zählt man die Diplomanden mit, sind nach seiner Angabe über 100 Menschen im Technikum beschäftigt.
Vier Lehrstühle arbeiten zusammen
Diamantbeschichtung, Leichtbaufertigung, Kohlenstoffspritzguss - die Bereiche sind weit gefasst, in denen Singer und drei weitere Lehrstühle im Zentralinstitut zusammenarbeiten. Auf rund 3,6 Millionen Euro haben sich die Umbaukosten belaufen. Den Großteil davon trug der Freistaat Bayern. Zur Einweihung ist deshalb gestern auch Edmund Stoiber gekommen. Der Ministerpräsident betonte, Bayern setze darauf, Wissenschaft und Wirtschaft näher zusammenzubringen: „Bei uns war lange eine Trennung zwischen dem Elfenbeinturm Universität und den Unternehmen."
Ohne die Hightech-Offensive des Freistaats, dankte der Werkstoffwissenschaftler Singer, wäre das Technik kum erst gar nicht entstanden, geschweige denn das Zentralinstitut.
Die Pläne für die Zukunft in Fürth sind weiterhin groß: Vor knapp zwei Wochen hat die Uni Erlangen einen neuen Sonderforschungsbereich genehmigt bekommen, der laut Singer auch auf Fürth ausstrahlen wird. „Wir träumen außerdem davon", ergänzte Jung, „ein eigenständiges Fraunhofer-Institut in Fürth zu haben." Die internen Planungen des Instituts gehen davon aus, dass dies bis zum Jahr 2011 verwirklicht ist und dann 60 feste Mitarbeiter im Technikum arbeiten.
Probleme, Projekte aus der Wirtschaft zu bekommen, haben weder Fraunhofer noch die Neue Materialien Fürth GmbH: „Was das Verhältnis zwischen staatlichen Geldern und eingeworbenen Mitteln betrifft, sind wir vorbildlich", lobt Wirtschaftsreferent Horst Müller.
Mehr Infos gibt es unter www.iis.fraunhofer.de und www.uni-erlangen.de.

In Hubschraubern finden sich Leichtbauteile, wie sie im Technikum Fürth vom Fraunhofer-Institut, der Neue Materialien Fürth GmbH und dem Uni-Zentralinstitut gemeinsam entwickelt werden. Gestern sahen sich Ministerpräsident Stoiber, Oberbürgermeister Jung und Fraunhofer-Chef Gerhäuser das Gelände an. Für Fotografen posierten sie in einem Helikopter. F.: Gerullis



