Neue Materialien für eine neue Welt

Nobelpreisträger Peter Grünberg und bedeutende Materialforscher tagen in Bayreuth

von Stefan Fössel 

Bayreuth - Können wir bald über magnetische Effekte Trinkwasser reinigen? Wird es dank Nanotechnik keine Fingerabdrücke mehr auf CDs geben? Nicht zuletzt um die praktische Anwendung von Erkenntnissen aus der Materialforschung geht es derzeit beim prominent besetzten „International Materials Forum" in Bayreuth.

Entdeckung für alle Computer

Das Kompetenzzentrum Neue Materialien Nordbayern und die Universitäten Bayreuth und Erlangen-Nürnberg haben Forscher und Entwickler in die Stadt geladen, die als eines der vier Zentren der Polymer-Forschung gilt. Funktionswerkstoffe haben in den vergangenen Jahren eine rasante Entwicklung genommen und erschließen zunehmend internationale Märkte. Im Mittelpunkt der Konferenz sollten zukunftsweisende Materialien in der Informationstechnologie, Elektronik und Medizintechnik stehen.

Der Jülicher Professor Peter Grünberg, Physik-Nobelpreisträger 2007, berichtete über die Möglichkeiten magnetischer Datenspeicherung. Grünberg ist der Entdecker des Riesenmagnetwiderstands, darauf basiert heute die Lesefunktion des Schreib-Lese-Kopfs bei fast jeder Computer-Festplatte. Magnetische Effekte können aber auch in der Medizin eingesetzt werden, etwa bei der Isolation von Viren aus Körperflüssigkeiten oder in der Krebsbehandlung.
Aus Japan angereist war Masanobu Jamamoto, der über die Entwicklung der „Blu-Ray Disc" bei Sony referierte. Die Blu-Ray gilt als das derzeit führende optische Speichermedium auf einem rasant wachsenden Markt. Sie kann mit 50 Gigabyte so viel speichern wie 70 CDs und trägt damit nach Aussagen Jamamotos auch zur Reduzierung der CO²-Emissionen bei.

Überlegenheit der Spinnseide

Richard Friend aus Cambridge widmete sich den Makromolekülen, die auch bei der Herstellung von Flachbildschirmen eingesetzt werden. Thema des Bayreuther Professors Thomas Scheibel ist die Spinnseide, „die Eigenschaften aufweist, die unsere heutigen Kunststoffe weit übertreffen und zu technischen Innovationen anregen".
Parallel zur Konferenz informierte das Bayreuther Kompetenzzentrum Neue Materialien über seine Arbeit. Dort werden neue Werkstoffe, Verfahren und Prozesse entwickelt, Brücken zwischen Wirtschaft und Wissenschaft geschlagen. Im Kompetenzzentrum werden zum Beispiel Endlosfasern direkt in die Polymerschmelze eingearbeitet, was Spritzgussartikeln mehr Stabilität verleiht. Auch konnte mit Zusatzstoffen die Rissanfälligkeit beim Schweißen deutlich reduziert werden.
„Oberfranken gilt als Ruhrgebiet des Kunststoffs", stellte Hans Rausch, Geschäftsführer des Kunststoffnetzwerks Franken fest. Inzwischen sind 92 fränkische Unternehmen mit mehr als30 000 Mitarbeitern diesem Netzwerk beigetreten.

Quelle: Bayerische Rundschau. Download (PDF, 761 KB)

Weitere Informationen über das International Materials Forum 2008 finden Sie hier.