Neue Materialien, neue Struktur
Freistaat Bayern ist jetzt Mehrheitsgesellschafter der Neue Materialien Bayreuth
Bayreuth/München. Hinter verschlossenen Türen war lange diskutiert worden - jetzt ist es entschieden: Die Neue Materialien Bayreuth GmbH (NMB) bekommt eine neue Struktur. Künftig wird sie als öffentliche und außeruniversitäre Forschungseinrichtung geführt. Damit, so hieß es gestern auf KURIER-Nachfrage, werde sich die finanzielle Basis des Bayreuther Standortes der nordbayerischen Materialforscher nachhaltig verbessern.
56 Millionen Euro hatte sich der Freistaat das Kompetenzzentrum Neue Materialien zu Zeiten der Hightech-Offensive kosten lassen. Ein Investment, das mit seiner Forschungs- und Innovationsdienstleistung bei der Wirtschaft durchaus ankommt, sich aber nach wie vor nicht komplett selbst finanzieren kann.
Das Land Bayern wolle das Kompetenzzentrum Neue Materialien Nordbayern mit seinen Gesellschaften auch in Zukunft weiter entwickeln. Das Kompetenzzentrum soll die Forschung voranbringen und zugleich die Wirtschaft bei Zukunftsprojekten unterstützen. Dies erklärte Stefan Kollböck, Geschäftsführer der Dachgesellschaft Neue Materialien Nordbayern, die die Standorte Bayreuth und Fürth bündelt, gestern in einem KURIER-Gespräch. Um dafür neben bayerischen Mitteln auch verstärkt Gelder der Europäischen Union einsetzen zu können, müsse sich die NMB - wie zuvor schon der Standort Fürth - den europäischen Förderbedingungen anpassen. Wichtiger Punkt dabei: der Freistaat muss Mehrheitsgesellschafter sein. Im Fall der NMB hält das Land inzwischen 55 Prozent der Anteile. Gesellschafter sind ferner die Universität Bayreuth, die Stadt, die beiden ober-fränkischen IHKen, die Handwerkskammer sowie einzelne Universitätsprofessoren, die zuvor in einer Forschervereinigung organisiert waren.
Haben die Neuausrichtung geschafft: Dr. Gerd-Achim Gruppe vom Wirtschaftsministerium, Universitätspräsident Rüdiger Bormann, Professor Volker Altstädt, Dr. Dieter Kunz und OB Dr. Michael Hohl. Foto: nk
Die jetzt vollzogene Umstrukturierung schafft laut Kollböck die Voraussetzung für eine dauerhafte Finanzierung durch den Freistaat Bayern. Bis zum Jahr 2013 werde anhand von Wirtschafts- und Finanzplänen definiert, was zur Forschung der NMB gehört, welche Investitionen nötig sind und damit auch welche Förderung fließt. Bis zu 30 Prozent des Betriebshaushaltes der NMB können dem Vernehmen nach künftig aus öffentlichen Kassen stammen.
Kritische Stimmen
Der Neue-Materialien-Standort in Fürth hat die Umorganisation bereits im März vollzogen. In Bayreuth diskutierte man länger über den richtigen Weg. Kritiker der jetzt umgesetzten Organisationsanpassung, zu denen auch Vertreter oberfränkischer Unternehmen gehören, befürchten, der Freistaat werde sich zu stark ins operative Geschäft der Materialforscher einmischen. Dabei könnten die Interessen der Wirtschaft in der Region beeinträchtigt werden. Stefan Kollböck teilt diese Befürchtungen nicht. Die neu gefasste Satzung beinhalte den ausdrücklichen Auftrag an die NMB, aktiver Partner der Unternehmen in der Region zu bleiben. Zudem sei mit der Veränderung der Struktur keine inhaltliche Trendwende verbunden. Die Forschung der NMB diene dazu, Know-how zu generieren. Und von diesem gewonnenen Wissen würden Unternehmen, die die Einrichtung als eine Art ausgelagerte Forschungsabteilung nutzen, sicher profitieren.
Neuer Chef
BAYREUTH. Neuer Chef der Neue Materialien Bayreuth GmbH ist Professor Volker Altstädt. Altstädt ist zugleich Inhaber des Lehrstuhls für Polymere Werkstoffe an der Uni Bayreuth. Was sich mit der neuen Struktur der NMB ändert? „Wir sind jetzt stärker in der Lage, öffentlich geförderte Projekte einzuwerben. Das wird zu mehr Kontinuität führen." Und: Künftig können auch Investitionen gefördert werden.
Quelle: Nordbayerischer Kurier vom 02.07.2009 Download (pdf, 553 kb)




